Sorry an alle, die sich diese Seite gebookmarkt haben, aber ich ziehe um zu einem anderen Anbieter.
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Ich weiß, ich weiß. Lange hat´s gedauert bis zu diesem Eintrag. Aber ich hatte gute Gründe: Heimreise, Termine, medizinischer Eingriff, volles Programm also.
Hier nun Teil 1 des Reiseberichts.
Tag 1
Samstag, 15.11.2008
Der frühe Vogel fängt den Wurm, so reden wir uns das zeitige Aufstehen um 3 Uhr schön. Durch die altbekannte Tatsache, dass der Elbtunnel gern Schauplatz mächtiger Staus wird, entscheiden wir uns
schon Tage zuvor, spätestens um 4 Uhr Richtung Dänemark aufzubrechen.
Aufgrund von maximal zwei Stunden Schlaf in dieser Nacht bin ich wie gerädert, aber die Vorfreude überwiegt und im Badezimmerspiegel lächelt mich eine Wachsfigur mit dunklen Augenringen an.
Alles läuft nach Plan – um 4 Uhr steuert unser schwerbeladenes Auto auf die Autobahn. Unsere Route: A4, Landstraße bis Göttingen, A7 bis Flensburg, dann die E45 bis Kolding, schließlich die E20 bis Esbjerg und noch ein wenig Landstraße bis zum Fjord. Dank Navigationsgerät sollte das Finden des Zielobjekts kein Problem darstellen.
Draußen ist es noch sehr dunkel, mit 10 Grad Celsius aber nicht wirklich kalt. Ich hoffe, dass uns das Wetter im Norden keinen Strich durch die Rechnung macht, immerhin wollen wir viel von der
Gegend sehen.
Mein Mann wirkt, obwohl er auch nur sehr wenig geschlafen hat, doppelt so fit als ich und hat somit das Vergnügen, das erste Stück der Strecke bis Hannover zu fahren. Wir haben die Straßen
praktisch für uns; kaum jemand ist um diese Uhrzeit unterwegs.
Auf dem Rasthof bei Hannover gibt es Kaffee, derart getunt schwinge ich mich hochmotiviert hinter das Lenkrad und schaffe es – entgegen meiner Vorsätze – durch den Elbtunnel. Diesen betrachte ich
mit Skepsis, als misstrauischer Skorpion wägt man bekanntlich immer Risiken ab, und so beschäftigt es mich schon seit jeher, wohin ich flüchten soll, wenn es im Tunnel brennt. ;-)
Nachdem auch diese Etappe geschafft ist, wird es zusehends ländlicher. Die Schafherden auf den Wiesen neben den Autobahnen, das platte grüne Land und die Weite der Landschaft lassen uns wissen,
dass es nicht mehr weit bis zur Grenze ist.
Um uns die Zeit im Auto zu vertreiben, zählen wir die Wiederholungsquote der beliebtesten Hits sämtlicher gehörter Radiosender.
Wenn
Leona Lewis ihr „Better in time“ schluchzt,
Pink „So what“ rotzt,
Jason Mraz „I´m yours“ schmachtet,
Amy MacDonald „This is the life“ erörtert,
Katy Perry „I kissed a girl“ röhrt,
Gabriella Cilmi „Sweet about me“ säuselt,
Kid Rock sich an „All Summer long“ erinnert,
dann schauen wir uns vielsagend an und notieren gedanklich einen Strich hinter dem Titel.
Unser Urlaubshit ist aber dann doch ein anderer geworden, und zwar „Human“ von The Killers, einfach, weil es so nett anzuhören ist und mich ein bisschen an New Order in den 80ern erinnert.
Endlich ist die dänische Grenze erreicht. Der Rasthof Padborg ist Pflicht, weil dort so ein nützlicher Geldautomat im Foyer steht, durch den wir unsere Euros in Kronen eintauschen können. Und – so schräg es auch klingen mag – die dänischen Autobahn-Toiletten sind wesentlich hübscher und sauberer als die deutschen. ;-)
Mit einer gemütlichen Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h zuckeln wir in nördliche Richtung. Inzwischen ist es 10 Uhr, nur noch zwei Stunden sind zu bewältigen. Und auch diese sind im Nu geschafft.
In Nörre Nebel müssen wir den Schlüssel abholen und die Urlaubsunterlagen vorlegen.
Ich weiß nicht, ob es anderen Menschen auch so geht, aber ich habe im nicht-deutschsprachigen Ausland immer das Bedürfnis, in der Landessprache zu reden, auch wenn es nur ein paar Brocken sind,
die ein Einheimischer wahrscheinlich eh nicht versteht. So quäle ich meine Mitmenschen immer mit kurzfristig angelesenen Sprachkenntnissen und freue mich riesig, wenn ein gewisses Verstehen in
den Augen des Gegenübers aufglimmt.
Nein, ganz ernsthaft: Mir sind meine Landsmänner, die wie die alten Teutonen in Urlaubsländer einfallen und stur Deutsch sprechen, sich am besten noch beschweren, dass der Däne / Franzose / Italiener nicht Deutsch kann, ungeheuer peinlich. Vor Jahren an der Uni hatte ich mal aus reinem Interesse einen Dänisch-Kurs belegt, mit dem ich jetzt Würstchen und Eis einkaufen kann bzw. nach dem Befinden fragen kann. Mal sehen, ob mir diese Lerneinheiten jetzt weiterhelfen.
Schwungvoll öffnen wir die Tür des Reiseveranstalter-Büros, in dem ein junger Mann und eine etwas reifere Dame sitzen. „Hej“, rufe ich freudig und stelle mich an den Tresen. „Hej“, lächeln mir
die Angestellten entgegen. Bevor ich großartig loslegen kann, steht der junge Mann auf und sagt in beinahe akzentfreiem Deutsch: „Sie kommen wegen des Schlüssels? Wir können Deutsch reden.“
Ups. Na gut, ehe ich nach Hotdogs und Eiscreme frage, lassen wir es eben bei der deutschen Sprache. Wir haben Glück, das Haus wurde schon gereinigt und der Schlüssel liegt vor. Aber beim
Verlassen des Büros lasse ich mir das „Tak.“ (Danke.) und mein „Hej, hej.“ (Auf Wiedersehen.) nicht nehmen, jawohl.
Jetzt sind es nur noch 15 Minuten bis zu unserem Häuschen. Aber was heißt Häuschen – in der Nachsaison sind die Luxushäuser mit 120 qm, Whirlpool, Sauna und allem möglichen Interieur sehr
günstig, so dass wir uns diesmal ein solches geleistet haben.
In der Nähe von Bork Havn weist uns das Navigationsgerät darauf hin, doch bitte jetzt abzubiegen, wir tun es natürlich und durchfahren schon bald eine schnuckelige Ferienhaus-Siedlung mit Holz
verkleideten Häusern. Ganz am Ende der Siedlung ertönt, dass wir unser Ziel erreicht haben. Wir quetschen unser großes Auto in einen Mini-Carport und nehmen das Objekt in Augenschein.
Sehr schön sieht es aus, viel zu groß für uns zwei Hanserln, aber was soll´s. Gleich zwei Bäder blitzen und blinken uns entgegen, eines mit Dusche, Waschtischanlage und WC, das andere protzt mit
Whirlpool, Glasdusche, Marmor-Waschtisch, Edelklo und Sauna. Aus praktischen Gründen beschließen wir spontan, nur das Luxusbad zu benutzen, immerhin müssen wir die Räumlichkeiten auch wieder
säubern.
Es gibt sogar einen Hauswirtschaftsraum, der uns mahnend an dieses Vorhaben erinnert. ;-)
Gleich drei Schlafzimmer überfordern uns ein wenig. Nach kurzer Begehung dieser wissen wir, dass wir das größte Schlafgemach auswählen sollten. Wohnzimmer und Küche sind kombiniert und sehen aus, als hätte sich Tine Wittler ausgetobt. Sehr stylish, mit Kochinsel, schwarz-weißer Marmor auf weißen Möbeln, ein Ceran-Kochfeld mit Mini-Computer (hoffentlich stürzt der nicht ab...), Backofen, Mikrowelle, Elektroherd, ein Riesenkühlschrank, in dem sich unsere Vorräte lächerlich klein ausnehmen. Der Esstisch ist ein Monstrum für 6 Personen, wobei da noch locker 5 Leute mehr Platz hätten.
Ein Kamin lockt mit gemütlichen Abenden, außerdem die -zig Kerzenständer, die sehr dekorativ im ganzen Haus verteilt sind. Die Krönung für meinen Mann lauert neben der Fensterfront: Ein riesiger Flachbild-Fernseher! Während ich – gemäß der klassischen Rollenverteilung – die Küche inspiziere, schnappt sich Maik die Fernbedienung und ruft mir stolz jeden Sender zu, den er finden kann. Ein Kanal sorgte für große Heiterkeit bei uns beiden, handelte es sich doch dabei um den uns bisher unbekannten „Manneskraft TV“. Und jetzt darf der geneigte Leser dreimal raten, was auf diesem Kanal gezeigt wird... :-)
Nachdem der Kofferraum geleert und das Haus befüllt ist, gönnen wir uns eine Tasse Kaffee und schmieden Pläne. Vergessen sind Schlafmangel und Schlechtwetter-Befürchtungen. Wir einigen uns auf einen Strandbesuch bei Nymindegab, ein paar Kilometer von unserer Luxushütte entfernt. Draußen lacht die Sonne vom Himmel, aber es weht auch ein recht heftiger Wind. Euphorisch packen wir die Kameraausrüstung ein und manövrieren das Auto aus dem Zwergen-Carport.
In Nymindegab angekommen, sehen wir nach kürzester Zeit aus wie die Teilnehmer einer Sahara-Expedition, nämlich mit Sandkörnern übersät. Noch Tage danach finde ich in Kleidung und Ohren soviel
Sand, dass ich damit Kinder-Buddelkästen füllen könnte. Der Wind beißt und der Aufstieg auf die Dünen erweist sich als Kräfte zehrend. Irgendwann entwickeln wir die Krebsgang-Technik, um nicht
blind zu werden: Wir gehen rückwärts die Dünen runter. Sieht sicher sehr seltsam aus, aber der Zweck heiligt die Mittel und wir kommen völlig erschöpft unten am Strand an.
Dieser ist fast menschenleer, nur ein älteres Ehepaar mit Hund erblicken wir. Das Meer ist aufgewühlt und Möwen kreischen über uns. Von Osten zieht ein Sturm auf, rabenschwarze Wolken treffen auf blauen Himmel und wir können einen Regenbogen sehen. Davon muss ich erstmal viele Fotos machen, so schön sieht das aus. Mein Mann nimmt Kontakt zur Nordsee auf und bezahlt dafür mit einem Schuh voller eiskaltem Meerwasser. Autsch, das kann so nicht bleiben, wir müssen zurück zum Haus! Also die Dünen wieder hoch und rein ins Auto, zurück zu unserem Häuschen.
Nachdem Füße und Socken trocken gelegt sind, meldet sich der Magen mit einem lauten Knurren und ich koche Nudeln mit Tomatensoße. Gar nicht so einfach, den Elektroherd samt Computer zu verstehen, aber irgendwann checke ich die Bedeutung der vielen Tasten und die Nudeln köcheln vor sich hin. Maik übernimmt die Aufgabe des Heizers und sorgt für ein schönes Kaminfeuer.
Bei einer Kanne Tee, Pasta und dem Nachtisch Lebkuchen machen wir es uns vor dem Fernseher gemütlich – und nein, wir schauen nicht Manneskraft TV. :-)
Besonders lange halte ich allerdings nicht durch, sondern sinke gegen 22 Uhr nach aufsuchen unseres Badetempels erschöpft in mein dänisches Bettchen. Sinken ist sehr zutreffend, da die Matratzen
viel zu weich für meinen deutschen Rücken sind. Das ist mir an diesem Abend aber egal, denn schon bald knipse ich das Licht aus und weile im Land der Träume.
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